Limmat Zeitung (LIZ) Donnerstag, 7. April 2005



Kein Land für Horrorfilme
Von Klaus Frei

Mit der Uraufführung ihres Films «Haus am Jenseits» im Zürcher Kino Riff Raff, konnten die Dietiker Filmemacher Gregory Castioni und Nick Zimmermann ihren ersten Erfolg in der Filmszene verbuchen.

Im Altstetter Industriequartier steht ein etwas schäbig wirkender Bau. Grau in Grau. Im Eingang versucht ein Handwerker Löcher zu flicken. Das Bürohaus hat eine Ähnlichkeit mit dem Titelcover von «Haus am Jenseits», das Haus, um das es im neuesten Kurzfilm der beiden Dietiker Filmemacher Gregory Castioni und Nick Zimmermann geht - düster und etwas unheimlich. Auf einer Tafel im dritten Stock steht: 24x Studios. Hier, auf etwa zehn Quadratmeter Fläche, wurde der Film ausgeheckt, umgesetzt und von hier wird er auch vertrieben.
«Für eigene Räumlichkeiten fehlt uns das Geld, darum sind wir froh, uns hier einmieten zu können», erklärt Castioni. Damit ist gesagt, was bei Schweizer Filmemachern das grösste Problem ist - für die Projekte fehlt meistens das Geld. Castioni und Zimmermann haben dieses Manko bei ihrem neuesten Werk mit Kreativität und viel Eigenarbeit besiegt. «Viel zu viel», ist denn auch die Antwort auf die Frage, wie lange sie an dem Film gearbeitet haben. Das Equipment hätten sie sich zum Teil selbst gebaut oder ausgeliehen. Die Schauspieler spielten gratis. Was verwundert, spielt in ihrem Streifen doch kein geringerer als Mario Scarpellini mit, der auch schon in der erfolgreichen Schweizer Produktion «Achtung Fertig Charlie» zu sehen ist.
Seit zwei Wochen haben sie die Uraufführung hinter sich. Prominent im Zürcher Kino Riff Raff. «Das ist ein witziges Gefühl, wenn du im Kino sitzt und deinen eigenen Film siehst», erzählt Castioni und Zimmermann fügt an: «Man ist in diesem Moment zufrieden, etwas erreicht zu haben.»
Gerade mal 2000 Franken haben sie für die Produktion ausgegeben. Ein Betrag, der unrealistisch erscheint, aber der grossen Eigenarbeit zuzuschreiben ist. «Hätten wir Löhne und Aufwand bezahlen müssen, wäre ein Drehtag auf etwa 8000 Franken ge kommen», erzählt Castioni.
Der Experimentalfilm «Haus am Jenseits» soll erst der Anfang ihres Schaffens sein. «Wir wollen später einen ganzen Spielfilm machen», erklärt Zimmermann. Sie hoffen, sich später ganz dieser Leidenschaft widmen zu können. Ihr erster Film war nur zwei Minuten lang, der neue bringt es immerhin auf 30 Minuten. Zum Genre Suspence/Mistery soll auch der geplante Spielfilm «Amys Fluch» gehören, an dessen Drehbuch Castioni bereits seit einem Jahr arbeitet und den Zimmermann seit sechs Monaten gegenliest. Neu hat Castioni einen «Scriptdoctor» aufgetrieben. Dieser überprüft das Drehbuch auf seine Funktion. Noch fehlt aber das Geld. Deswegen haben sie auch schon beim Fernsehen DRS angeklopft, wurden jedoch mit der Begründung, «Horrorfilme sind nicht unser Business» abgelehnt. Danach sei auch ihr Drehbuch «auseinander genommen» worden. «Alternative Enden gibt es nicht», hiess es lapidar. Obwohl diese Technik auch bei bekannten Produktionen üblich sei, sagen die Dietiker.
Die Zwei sind aber zuversichtlich. «Mit unserem neuen Film auf DVD und der Uraufführung im Riff Raff haben wir eine Referenz, die uns vielleicht dabei hilft, Geldgeber zu finden», freut sich Zimmermann. Allerdings seien sie sich bewusst, dass die Geldfrage schwierig werde. «Wenn das Drehbuch oder das Thema nicht schweizerisch ist, hat man mit dem Projekt keine Chance», erläutert Castioni.
Filme macht er bereits seit dem 14. Lebensjahr, als er einen ersten Kurzfilm realisierte. Ganz im Gegensatz zu seinem Partner. «Bis zu meinem 21. Altersjahr hatte ich nie einen Fernseher», erzählt Zimmermann. Dies sei heute einer der Gründe, warum er von Filmen begeistert sei. Den Internetanschluss in seiner Wohnung habe er aber bereits wieder gekündigt. «Damit die Arbeit am Computer auch mal ein Ende hat», wie er ausführt.
Zwischendurch machen sie immer wieder mal einen Kurzfilm auf Bestellung oder integrieren Animationen in fremde Filme. Leben können sie davon allerdings nicht. Filmemachen ist deshalb noch nicht ihre einzige Beschäftigung. Zimmermann ist Grafiker und Castioni Kundenberater bei Orange. Teilzeit, versteht sich. Denn das erklärte Ziel der Beiden ist und bleibt das Filmemachen.
Spätestens seit dem sensationellen Erfolg des in Davos aufgewachsenen Regisseurs Marc Forster in Hollywood, ist man geneigt, die Ideen und Träume der Beiden als realistisch einzustufen. Klar also, dass sie seine Arbeiten und Biografie kennen. «Forster ist für mich eine Art Vorbild. Er hatte einen Traum und ging diesem nach», erklärt Castioni. Eindruck habe ihm gemacht, dass der Regisseur, obwohl er am Anfang dringend Geld benötigte, auch Projekte abgelehnt hätte. Etwas, wofür Zimmermann Verständnis hat: «So wollen wir uns auch treu bleiben.»

Mehr Infos und Film zum Downloaden: www.24xstudios.com